Schwebfliegen (Diptera: Syrphidae)
[Entwurf]
Lebensräume
Syrphiden kommen in Mitteleuropa in fast allen Lebensräumen von naturnahen Wäldern, Heiden, Grünland, Fels- und Schuttfluren bis hin zu hochgradig überformten Lebensräumen im urbanen Raum bis hinauf zu den Balkonen von Hochhäusern oder auf Äckern vor. Sie sind in allen Höhenlagen zwischen Meeresniveau und der subnivalen Stufe anzutreffen. Die meisten Arten haben einen kleinen bis mittleren Aktionsradius, doch ca. 8% der Arten sind Langstreckenwanderer über die Alpen, die den Flugleistungen einiger Zugvögel kaum nachstehen.
Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen
Die Imagines der Schwebfliegen gehören in Mitteleuropa zusammen mit den Wildbienen zu den wichtigsten Blütenbesuchern. Sie besuchen und bestäuben regional 60-70% aller heimischen Pflanzenarten und sind bedeutende Bestäuber von Kulturpflanzen (z.B. Obstbäume, Beerensträucher). Die Biologie der Larven ist sehr vielfältig und reicht von Blattlaus-fressenden Arten (Biologische Schädlingsbekämpfung), Pflanzenfressern (in Stängeln, Blättern, Zwiebeln und Rhizomen), Pilzfressern, aquatischen Larven in verschiedenen Gewässern, über in Tot- und Altholz lebende Arten bis zu Kommensalen oder parasitärer Lebensweise in Hummel-, Wespen- und Ameisennestern.
Plausibilisierung
Um eine gute Qualität der Syrphiden-Daten zu gewährleisten, müssen für die Eingaben i.d.R. nachprüfbare Belege existieren. Nur ein Teil der Arten kann aus Sichtbeobachtungen oder mit Fotos eindeutig bestimmt werden. Die eingegebenen Nachweisdaten werden von Expertinnen und Experten ##AK Diptera ### auf Plausibilität geprüft. Das Prüfergebnis wird anschließend mit angezeigt. Hinweise zur Bestimmbarkeit einzelner Arten finden Sie hier.
Taxonomie
Eine erweiterte taxonomische Referenz der Syrphiden Deutschlands, basierend auf der Checklistenbearbeitung Deutschlands (Ssymank et al. 2027 in Vorbereitung) und der europäischen Referenzliste des Projekts EU-Taxo-Fly (in Vorbereitung), bildet das Bezugssystem zum Datenaustausch. Der jeweils aktuelle Stand kann im Portal als Tabelle aufgerufen und als csv-Datei heruntergeladen werden. Die taxonomische Referenz wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert. Da in manchen Syrphidengattungen nur die Männchen bestimmbar sind, z.B. Sphaerophoria, Pipizella, oder in Ausnahmefällen eine morphologische Determination der Imagines nicht möglich ist (z.B. kryptische Arten von Microdon), wurden in manchen Fällen auch Artengruppen in die erweiterte Referenz mit aufgenommen.
Besondere Hinweise zur Schwebfliegenerfassung (Phänologie und Tagesaktivität)
Einige Schwebfliegen-Arten fliegen schon recht früh im Jahr, z.B. an Weidenkätzchen oder Sumpfdotterblume, und haben eine kurze Flugzeit von 4-6 Wochen. Viele Arten haben zwei oder mehr Generationen mit einer längeren Flugzeit, im Herbst sind nur wenige Arten aktiv. Die höchste Arten- und Individuenzahl ist im Offenland in Mitteleuropa vormittags vorhanden, in der Mittagshitze fliegen nur wenige Arten, am späten Nachmittag kehren einzelne Arten auf die Flächen zurück. Im Wald und in Gehölzbeständen wird die höchste Artenaktivität jedoch am späten Vormittag und über die Mittagszeit erreicht.
Methodische Hinweise zur Erfassung
Die häufigsten Methoden zum Fangen von Schwebfliegen sind Handfang (Dipterennetz) oder Fallenfang (Malaise-Fallen, Farbschalen, insbesondere gelb und weiß). Dabei gibt es zahlreiche methodische Abwandlungen und Standardisierungen. Einzelbeobachtungen aus ganz Deutschland sind für Verbreitungskarten, Veränderungen des Verbreitungsgebiets in Folge des Klimawandels und weitere Auswertungen immer willkommen. Eine vollständige faunistische Erfassung eines Gebietes erfordert in der Regel eine Kombination von Handfang und Fallenfang über mindestens zwei Jahre. Für das europäische Bestäubermonitoring nach Art. 10 der EU-Wiederherstellungsverordnung ist eine besondere Form der Transektbeobachtung festgelegt worden. Manche Arten mit speziellen Larvalhabitaten und kurzer Flugzeit lassen sich als Larven zuverlässiger nachweisen als die adulten Fliegen.